Informationen zur Leistungsfeststellung und Notengebung
für die Eltern der neuen Fünftklässler, "Neue" aus anderen Bundesländern und Interessierte
1. Was sind Klassenarbeiten?
Klassenarbeiten sind schriftliche Leistungsnachweise in den Hauptfächern, die Schülerinnen und Schüler in der Schule selbständig unter Aufsicht von Lehrkräften anfertigen. Die Anzahl der Klassenarbeiten ist gesetzlich geregelt und darf nur im besonderen Einzelfall mit Genehmigung durch die Schulleitung und nach Rücksprache mit der jeweiligen Klassenelternvertretung unterschritten werden. Klassenarbeiten müssen eine Woche vorher angekündigt werden. Zwischen der Rückgabe einer Klassenarbeit und dem Schreiben der nächsten im selben Fach müssen mindestens zwei Wochen liegen, um Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit der Leistungsverbesserung zu geben.

Anzahl der Klassenarbeiten pro Schuljahr in der Sekundarstufe I
Fach
Klasse
Anzahl
Deutsch
5 bis 9
4/2*
Deutsch
10
4/0
1. Fremdsprache: E/F
5
3
1. und 2. Fremdsprache: E/F/L
6 bis 10
4
3. Fremdsprache: F/L
9 bis 10
4
Mathematik
5 bis 10
5
* 4 Aufsätze, 2 Diktate
3. Was ist eine HÜ?
HÜ ist die Abkürzung für "Hausaufgabenüberprüfung" und meint das schriftliche Abfragen der Hausaufgaben, das in allen Unterrichtsfächern zulässig ist. Sie darf nicht länger als 15 Minuten dauern (in der Oberstufe 30 Minuten) und sich nur auf den Stoff der letzten beiden Stunden beziehen. Eine HÜ kann jederzeit geschrieben und muss nicht angekündigt werden. In der GTS, in der es keine traditionellen Hausaufgaben gibt, sprechen wir von "Kurzüberprüfung".
4. Was sind "andere Leistungsnachweise"?
Unter diesem Begriff werden Noten für alle anderen Schülerleistungen außer den Klassenarbeiten zusammengefasst. Die Schulordnung legt Wert darauf, dass es sich dabei vorwiegend um mündliche Noten handelt. Wenn einzelne schriftliche Noten hier mit eingebracht werden können (zum Beispiel für HÜ's, schriftliche Erledigung von Arbeitsaufträgen oder für Referate), so geschieht dies nur aus pragmatischen Gründen. Die mündliche Leistung muss immer im Vordergrund stehen.
5. Welche Einzelnoten sind im Bereich "andere Leistungsnachweise" möglich?
Die Schulordnung nennt die punktuelle Leistung, also die Note für eine Einzelleistung wie zum Beispiel das Vorrechnen einer Aufgabe an der Tafel, den Vortrag der Hausaufgaben vor der Klasse oder eine vorbereitete Kurzinformation für die Klasse über einen Autor.
Daneben kann die Leistung epochal gemessen werden mit Hilfe der Epochalnote. Wie das Wort schon sagt, misst die Epochalnote die Schülerleistung über einen bestimmten, von der Lehrkraft festzulegenden Zeitraum. Dabei werden alle möglichen Unterrichtsleistungen einbezogen, zum Beispiel Beiträge zum Unterrichtsgespräch, Auswertung von Experimenten, Vortrag von Stillarbeitsergebnissen. Diese und mehr Leistungen gehen alle in die Epochalnote eine. Dabei wird sie - richtig angewandt - Schülerinnen und Schüler in ihrer ganzen Leistungsbreite gerechter als die zufällige punktuelle Note. Deswegen wird sie auch von den meisten Lehrkräften angewandt, obwohl sie nicht verpflichtend ist.
Wenn Epochalnoten erteilt werden, müssen es mindestens zwei pro Schulhalbjahr sein, damit Schülerinnen und Schüler eine Chance haben, sich zu verbessern.
Lehrkräfte nennen Schülerinnen und Schülern jeweils Beginn und voraussichtliches Ende des Zeitraums, für den eine Epochalnote erteilt werden soll. Dieser muss überschaubar sein und sollte vier bis fünf Wochen (je nach Fach und Stundenzahl) nicht überschreiten; bei längeren Unterrichtsreihen wird ein Zwischenstand gegeben. Eine Note ist nur dann sinnvoll, wenn Schülerinnen und Schüler erkennen können, wofür sie gegeben wird - an weit zurück Liegendes kann man sich nicht mehr erinnern.
6. Gewichtung von Noten
Noten können unterschiedlich gewichtet werden, weil sie sich oftmals auf unter- schiedlich hohe Leitungsanforderungen beziehen. Über die Gewichtung von Noten entscheidet die Lehrkraft, die diese ihrer Lerngruppe mitteilt.
Grundsätzlich muss die Epochalnote deutlich stärker gewichtet werden als eine HÜ oder eine punktuelle Note, da sie eine größere Aussagekraft hinsichtlich der Leistungsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern hat als eine punktuelle Note.
7. Für welche Leistungen werden Schülerinnen und Schüler benotet?
Dies liegt im Ermessen der Lehrkraft, die je nach Stoff und Unterrichtssituation entscheidet. Die Schulordnung schreibt lediglich vor, dass eine Vielfalt an Noten vorliegen muss, d.h. dass verschiedenartige Leistungen - mündliche, schriftliche oder praktische, je nach Eigenart des Faches - benotet werden, sowie eine ausreichend große Zahl an Einzelnoten. Ansonsten nennt die Schulordnung Beispiele für Schülerleistungen, die bewertet werden können, die allerdings nicht verbindlich sind und durch andere ersetzt bzw. ergänzt werden können. Wichtig ist auch, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler dieselbe Anzahl an Noten und dieselbe Notenart erhalten müssen. Es kann durchaus die Situation entstehen, dass eine Lehrkraft im Einzelfall eine Note mehr braucht, um einen Schüler angemessen zu beurteilen, oder ihm aus demselben Grund eine andere Leistung abverlangt als dem Rest der Klasse.

Für alle Noten gilt:

  • Zu Beginn des Schuljahres informiert die Lehrkraft Schülerinnen und Schüler über die zu erwartenden Notenarten, die voraussichtliche Anzahl und die damit verbundenen Anforderungen sowie über die Gewichtung der Noten.
  • Noten müssen begründet werden, denn nur wenn Schülerinnen und Schüler wissen, was zu ihrer Note geführt hat, können sie sich verbessern.
  • Noten müssen gleichmäßig über das Halbjahr verteilt werden und unmittelbar nach Festlegung durch die Lehrkraft, spätestens in der darauf folgenden Unterrichtsstunde, bekannt gegeben werden, Epochalnoten am Ende des Zeitraumes. Eine nicht rechtzeitig bekannt gegebene Note gilt als nicht erteilt. 

    Beispiel: Ein Lehrer hat vergessen, der Klasse die erste von zwei Epochalnoten bekannt zu geben und verkündet nun kurz vor den Zeugnissen zwei Epochalnoten. Dies ist nicht zulässig, so dass die erste Note nicht gewertet werden darf.
8. Wie wird aus vielen Einzelnoten eine Zeugnisnote?
  • Die Zeugnisnote im Hauptfach wird jeweils zur Hälfte aus den Noten der Klassenarbeiten und denen der anderen Leistungsnachweise gebildet.
  • Die Zeugnisnote im Nebenfach setzt sich zusammen aus den Noten für die mündlichen Leistungen und ggf. einer schriftlichen Überprüfung (10-Stunden-Test).

Dabei wird die Zeugnisnote nicht rechnerisch, sondern pädagogisch ermittelt, d.h. ein Automatismus bei bestimmten rechnerischen Ergebnissen ist nicht gewollt und kann auch nicht eingefordert werden.

Beispiel: Die Berechnung von Klassenarbeiten und sonstigen Leistungen ergeben rechnerisch die Note 3,5. Nach den Regeln der Arithmetik müsste damit die Note ausreichend = 4 erteilt werden. Aber die Lehrkraft kann sehr wohl aus pädagogischen Gründen die Note befriedigend = 3 erteilen. Umgekehrt kann das rechnerische Ergebnis von 3,4 durchaus zur Endnote ausreichend = 4 werden, wenn die Lehrkraft dafür pädagogische Gründe hat. Das gilt ebenso für + oder - hinter einer Note. Dies sind inoffizielle Notentendenzen, die im Zeugnis nicht vorkommen dürfen. Auch sie werden unter pädagogischen Gesichtspunkten bei der Festlegung der Endnote berücksichtigt und nicht etwa eingerechnet. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, dass die Note der individuellen Lern- und Leistungssituation von Schülerinnen und Schülern gerecht werden soll, was ein rein rechnerisches Vorgehen nicht leisten kann.

Grundsätzlich gilt:

Notengebung ist immer ein schwieriger Prozess, der sowohl durch genaue Beobachtung als auch durch persönliche Wahrnehmung und Einschätzung bestimmt ist. Nur so können Lehrkräfte Schülerinnen und Schülern individuell gerecht werden. Die Bestimmungen der Schulordnung - ausreichende Zahl und Vielfalt an Noten - leisten hier eine ebenso wichtige Hilfestellung wie Transparenz in der Notengebung, die Lehrkräfte herstellen, indem sie ihre Anforderungen rechtzeitig bekannt geben und ihre Noten bei Bekanntgabe ausreichend begründen. Nur so können Schülerinnen und Schüler ihre eigene Note verstehen und damit ihre eigene Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen lernen.

Eine Lehrkraft ist zwar gut beraten, wenn sie ein offenes Ohr für Einwände ihrer Lerngruppe gegen einzelne Noten hat - schließlich kann jedem ein Irrtum unterlaufen. Aber sie sollte sich keinesfalls auf Diskussionen darüber einlassen oder Noten unter dem Druck der Klasse ändern. Allenfalls kann sie im Einzelfall eine Überprüfung der Note zusagen.

Fragwürdig ist es auch, Schülerinnen und Schüler sich selbst einschätzen und benoten zu lassen. In der Regel sind sie damit überfordert und fühlen sich unwohl - nennen sie eine zu gute Note, fühlen sie sich blamiert, und sie ärgern sich, wenn sie sich zu schlecht eingeschätzt haben. Deswegen setzt grundsätzlich die Lehrkraft allein und in eigener Verantwortung die Note fest.

Bezug:
Schulordnung 1989/2006, § 44 - 51, 56 (in der Schule einzusehen oder zu beziehen beim Sommer Verlag Grünstadt)
Verwaltungsvorschrift zur Leistungsmessung. In: Amtsblatt von RLP Nr. 13, 1993
Helga Smollich, Die Epochalnote - die Not mit der Note. In: Amtsblatt von RLP Nr. 2, 1980


Marion Stähle, Schulleiterin Stand: August 2008